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Info Kunst, Kultur und Medien

Newsletter: Kunst, Kultur & Medien 01/10
 

Jürgen Walter, kultur- und medienpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion

An die Gemeinde

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

das Jahr 2010 wird in die Kulturgeschichte des Landes eingehen als das Jahr, in dem die neue Kunstkonzeption entwickelt und verabschiedet wurde. Diese bildet die Grundlage für Kulturförderung der kommenden Jahre. Die Tatsache, dass die letzte Kunstkonzeption mehr als 20 Jahre lang Bestand hatte, führt uns vor Augen,  von welcher Tragweite diese Konzeption ist.

Das bedeutet für die kommenden Monate: Einmischen, was wir schon mit der Großen Anfrage gemacht haben. Aber wir werden auch weiter aktiv bleiben.

Jürgen Walter

Projektförderung Medienpädagogik

Abseits der großen Diskussionen um Medienpädagogik auch im Zuge der Arbeit des Sonderausschusses „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt" arbeiten viele kleine Projekte im gesamten Land meist unbeachtet von Politik und Öffentlichkeit im Bereich von Medienkompetenzvermittlung. Dies hat oftmals zu fruchtbaren Kooperationen zwischen den Nichtkommerziellen Lizenznehmern - also den Freien Radios - und Bildungseinrichtungen - insbesondere Schulen und Jugendgruppen - geführt. Workshops, Projekte und Sendereihen sind bei den Freien Radios daraus entstanden. Für die Schulen stellt diese Möglichkeit die Chance dar, den Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz zu vermitteln..
Zwar können die Aktiven auf Fördermöglichkeiten, beispielsweise bei der Landesanstalt für Kommunikation, zurückgreifen, jedoch ist das Prozedere aufwändig. Anträge müssen gestellt und nach Ende des Projekts muss meist eine umfangreiche Dokumentation erstellt werden. Dies erschwert das Engagement, weil in vielen Fällen der Aufwand der Antragstellung in keinem Verhältnis zum Projekt steht. Auch andere Initiativen, wie z. B. das Stuttgarter Caritas-Projekt „Medienfluten", arbeiten im Bereich von Medienpädagogik und suchen neue Wege der Vermittlung von Medienkompetenz.

Literaturarchiv Marbach nicht im Regen stehen lassen

Als Glücksfall wurde Ende vergangenen Jahres die Tatsache bewertet, dass dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) das Siegfried-Unseld-Archiv (das sind die Archive der Verlage Suhrkamp, Insel, des Jüdischen Verlags sowie des Deutschen Klassiker Verlags) zugeschlagen wurden. Zehntausende von Aktenordnern mit wertvollen Dokumenten sind von Frankfurt nach Marbach umgezogen und warten jetzt dort darauf, ausgewertet zu werden. Wir fordern, dass sich die Landesregierung bei der Bundesregierung für eine finanzielle Beteiligung einsetzt, um den unbezahlbaren Schatz für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Weniger Ministerien für Kulturförderung

„Die Stoßrichtung ist dir richtige, aber die Forderungen gehen nicht weit genug", so kommentierte der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Landtag Jürgen Walter die Forderungen des Kunstbeirates. So fordern die Grünen seit langem die Zusammenlegung der Kulturkompetenzen in wesentlich weniger Ministerien als derzeit. „Wir teilen die Meinung des Kunstbeirates, bei der Kulturförderung herrsche Chaos." Walter hofft, dass die Landesregierung den Forderungen des Beirates folgt, die er ihr ins Stammbuch geschrieben habe.
Darüber hinaus sei es aber auch wichtig und längst überfällig, die Struktur der Kulturförderung grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen. „Das hat zwar auch schon Minister Frankenberg erkannt, aber bisher keine Konsequenzen gezogen", so Walter. "So werde seit Jahren die bestehende Kulturarbeit höchstens verwaltet, aber für neue Initiativen bleiben die Türen der Kulturförderung geschlossen: Das muss in der neuen Kunstkonzeption dringend geändert werden.

Frühkeltischer Fürstensitz Heuneburg

Im Jahre 2005 entdeckten Archäologen an der Oberen Donau bei der Heuneburg die nachgewiesenermaßen älteste Siedlung nördlich der Alpen. Die imposanten Ruinen belegen, dass auch außerhalb des Mittelmeerraums vor 2600 Jahren gemauert wurde, darüber hinaus besaß die Siedlung ein eindrucksvolles Stadttor. Das Denkmal von internationalem Rang ist bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich - mehr noch, diese einmalige Kulturruine ist vom Verfall bedroht, sofern nicht in kürzester Zeit Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
Nach unserer Auffassung wird die Landesregierung im Umgang mit den Funden auf der Heuneburg und Umgebung ihrer historischen Verantwortung nicht gerecht. Neben dem Verfall des Mauerwerks, dem bisher tatenlos zugesehen wurde, wird auch das Museum vor Ort nicht entsprechend unterstützt.

Weiterentwicklung der Kunstkonzeption

„Eine kunstpolitische Konzeption kann und darf kein Dogma sein, weil Kunst das Gegenteil von Dogmatismus ist. Jede kulturpolitische Standortbestimmung muss das gesellschaftspolitische Umfeld und die zeithistorischen Bezüge reflektieren, um die Interessen und Bedürfnisse der Menschen zutreffend erfassen zu können." So leitet ein Text in die Kunstkonzeption des Landes aus dem Jahre 1990 ein, und damit haben die Verfasser auch den Rahmen für deren Fortschreibung beschrieben.
Kultur und Kulturförderung soll im Land Baden-Württemberg neu definiert werden. Eine Weiterentwicklung der Kunstkonzeption ist nach 19 Jahren dringend geboten. Die Grünen haben dazu eine Große Anfrage eingereicht.
Am 21. Juni findet zu dem Thema eine Diskussionsveranstaltung im Theaterhaus Stuttgart statt (s.unten)

Sonderausschuss Winnenden legt Bericht vor

Der Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt“ hat knapp ein Jahr nach der Bluttat seinen Abschlussbericht vorgelegt, der zahlreiche, über die Fraktionsgrenzen hinweg abgestimmte Handlungsempfehlungen enthält.
Neben den teils einstimmig, teils mehrheitlich beschlossenen acht Handlungsfeldern haben die Grünen eine Erhöhung der Anzahl der Schulpsychologen von 100 auf 200 durchgesetzt und sich im Rahmen des Jugendmedienschutzes § 131 StGB als einzige Fraktion gegen eine Verschärfung des §131 StGB und damit gegen eine Kriminalisierung von jugendlichen Spielerinnen und Spieler ausgesprochen. Gegen den Willen des Innenministeriums haben sie erfolgreich für eine Initiative des Landes zur Verlängerung der Waffenamnestie gekämpft. Die abweichenden Voten der Grünen finden Sie auf den Seiten 20, 35, 57 und 88 des Berichts.

Im Nachtragshaushalt werden die Grünen Anträge zum Thema einbringen, die im nächsten Newsletter dokumentiert werden.

Wieder aktuell: das grüne Rundfunkgebührenmodell

Jetzt wird`s ernst, jetzt soll das jetzige Rundfunkgebührenmodell abzulösen und durch eine haushaltsbezogene Medienabgabe ersetzen werden, ein langjährige Forderung. Das Konzept sieht vor, dass statt der GEZ-Gebühr nur noch eine Abgabe pro Haushalt erhoben wird, unabhängig von der Anzahl und der Art der Geräte, die sich in dem jeweiligen Haushalt befinden.
Ein haushaltsbezogene Medienabgabe trägt der Entwicklung Rechnung, dass heute nicht mehr nur Radio und Fernsehen, sondern auch PCs und Mobiltelefone rundfunkempfangsfähig sind und die Bedeutung des Internet als Plattform für Rundfunkprogramme stetig wächst.

Initiative Kindermedienland: Wettbewerb und Internetportal sind zu wenig

Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken, an diesem Anspruch muss sich die Politik der Landesregierung messen lassen, dazu gehört auch, dass die medienpädagogische Ausbildung von LehrerInnen und Erzieherinnen ausgebaut wird", so kommentiert der medienpolitische Sprecher der Grünen im Landtag Jürgen Walter die Konzeption zur Initiative Kindermedienland; die die Landesregierung jetzt vorstellte.

„Der Bedarf ist zwar von der Landesregierung richtig erkannt worden, doch reicht es keinesfalls aus, ein Internetportal online zu stellen und einen dieser zahllosen Wettbewerbe auszuschreiben", so Walter weiter. Angesichts der Bedeutung des Themas müssten Medien einen breiten Raum in der Pädagogik in Kindergarten und Schule einnehmen. „Medienpädagogische Eichrichtungen sowohl für die Eltern und Pädagogen als auch für Kinder und Jugendliche müssen zur Regel werden, Einzelprojekte wie z. B. die Initiative „Medienfluten" der Caritas Stuttgart, die sich intensiv darum bemühen, Schülern in Sachen Medien Orientierung an die Hand zu geben, müssen landesweit eingeführt werden."

Positionspapier der Grünen im Landtag "Jugendmedienschutz: Medienbildung und USK-Reform statt Panikmache und Verbote" vom Januar 2010

Gewalt in Medien: Computerspiele und Medienkompetenz

Kein Feld wurde in der Öffentlichkeit nach dem Amoklauf von Winnenden so kontrovers diskutiert wie der Umgang mit Medien, vor allem der Umgang mit Computerspielen und Medien. Die Grünen müssen hier Position beziehen - ohne Scheuklappen, ohne Dogmen und ohne Berührungsängste: Wie können wir verantwortungsvollen Jugendschutz und die legitimen Interessen der Spieler vereinbaren?

Podiumsdiskussion am 21. Juni 2010, 19:00 Uhr im Theaterhaus Stuttgart

Diskussionsveranstaltung: Kulturförderung in Zeiten der Kunstkonzeption II

Die neue Kunstkonzeption des Landes Baden-Württemberg wird die Grundlage der Kulturförderung in den kommenden Jahren festschreiben, der Entwurf wird bald vorgelegt. Die derzeitige Finanzlage macht die Szenarien düsterer, das Verhältnis zwischen Politik und Kunst nicht einfacher. Die Diskussion um die städtischen Kulturhaushalte hat Folgen: Die Politik ist fast so kreativ wie die Kulturszene, wenn es darum geht, Finanzquellen zu erschließen.

Darüber, welche Rahmenbedingungen die Kunst- und Kulturszene in der Zukunft braucht, diskutieren die Grünen im Landtag mit Vertretern unterschiedlicher Kunstsparten am 21. Juni ab 19.00 Uhr im Theaterhaus Stuttgart.

Es diskutieren mit: Petra von Olschowski, Geschäftsführerin der Kunststiftung Baden-Württemberg, Sebastian Dresel, Beauftragter für Musik- und Popkultur der Stadt Mannheim; Peter Spuhler, Intendant am Theater und Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg, Werner Schretzmeier, Leiter des Theaterhaus Stuttgart und Oliver Keymis, Kultur- und Medienpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag NRW und Landtagsvizepräsident

Dieser Newsletter wird herausgegeben von:
Fraktion DIE GRÜNEN
Im Landtag Baden-Württemberg
Konrad-Adenauer-Str. 3
70173 Stuttgart
Verantwortlich
Jürgen Walter (MdL, kultur- und medienpolitischer Sprecher)
Tel.: 0711/2063-663
juergen.walter@gruene.landtag-bw.de

Redaktionelle Mitarbeit
Arne Braun (parlamentarischer Berater)
Tel. 0711/2063/665
arne.braun@gruene.landtag-bw.de

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